Landstern – Nominiert in der Kategorie „Stark für die Landwirtschaft“

Zwischen Trecker, Tier und Tresen



Ein Hofladen in der Stadt? Was mit einer fixen Idee begann, entwickelt sich allmählich zu einem Erfolgskonzept. Die „Hoftalente“ aus Hannover gehen für den LANDStern in der Kategorie „Stark für die Landwirtschaft“ ins Rennen.

Abenteuerlustig, kreativ und mutig sind sie, die drei Musketiere aus dem Kino. Filmkenner wissen: Frischen Wind bringt erst der vierte Held namens D’Artagnan in das eingespielte Trio. Ganz ähnlich läuft es bei den „Hoftalenten“ aus Niedersachsens Landeshauptstadt. Die drei Junglandwirte Heinrich Kruse, Christoph Geil und Ingwer Feddersen wollten neue Wege gehen und ihre landwirtschaftlichen Produkte direkt vermarkten. Weil sie jemanden brauchten, der den Überblick behält und den Laden leitet, holten sie sich als Geschäftsführerin Uta Kuhlmann-Warning mit ins Boot. Als Standort für ihren Laden „Hoftalente“ haben sich die vier Freunde das noble Zooviertel in Hannovers Innenstadt ausgesucht.

Ein tolles Team sind Heinrich Kruse, Ingwer Feddersen, Uta Kuhlmann-Warning und Christoph Geil (v.l.).

Ein tolles Team sind Heinrich Kruse, Ingwer Feddersen, Uta Kuhlmann-Warning und Christoph Geil (v.l.).

Ganz in Ruhe schlendern Menschen durch den kleinen Laden und stöbern in gut sortierten Regalen. Alles hat seinen Platz. Das Fleisch liegt luftdicht verpackt und sorgfältig beschriftet im Kühlfach. Die gläserne Käsetheke gibt den Blick frei auf mehrere große Käselaibe, laut Beschreibung mal würzig, mal mild oder mit Kräutern verfeinert. Weine, Honig, Obst und Gemüse werden in den Auslagen präsentiert. Das i-Tüpfelchen sind die selbstgemachten Spezialitäten, die von den Hoftalenten bei Partnerhöfen eingekauft werden. Viele Kunden überzeugen sich mit einem kritischen Blick auf das Etikett davon, ob die Lebensmittel aus der Region stammen oder sogar biologisch erzeugt sind. Vieles wandert direkt in die mitgebrachten Stofftaschen.



Gute Qualität ist wichtig


„Die Leute hier kaufen bewusster ein, das merkt man sofort“, berichtet Heinrich Kruse von seinen Erfahrungen im Hofladen. Wenn er gerade selbst im Laden ist, steht er seinen Kunden gerne Rede und Antwort, vor allem wenn es um das angebotene Schweinefleisch geht, denn „das kommt aus meinem Betrieb“, erzählt er. Heinrich, der ursprünglich von einem landwirtschaftlichen Betrieb aus Damme im Kreis Vechta stammt, bewirtschaftet seit einigen Jahren einen Ferkelhof mit angeschlossener konventioneller Schweinemast im Harz-Vorland. Das Pendant, nämlich Rindfleisch vom Angus-Rind, liefert sein Mitstreiter Christoph Geil. Seine 80 Rinder verbringen den größten Teil des Jahres auf den saftigen Weiden an der Nordsee. Für den leckeren Käse ist Ingwer Feddersen zuständig, der gemeinsam mit seinen Eltern einen Milchhof in Wanderup in Schleswig-Holstein betreibt.
„Uta hält den Laden am Laufen“, sind sich die drei Landwirte einig, die sich vor mehreren Jahren bei einem Seminar über Öffentlichkeitsarbeit kennengelernt und bei einem Bier gemeinsame Pläne geschmiedet haben. Uta Kuhlmann-Warning, studierte Betriebswirtin, hat ihren Arbeitsplatz bei einem bekannten Landmaschinenhersteller in Damme aufgegeben, um Teil des Projektes zu werden. „Wir wollen, dass die Leute in den Laden kommen und ein gutes Gefühl haben“, beschreibt die charmante 27-Jährige ihr Ziel. Sie wohnt in Hannover und hat das „große Ganze im Blick“, wie sie selbst sagt.
Die Jungunternehmer sehen ihren Laden als stationären Wochenmarkt und wissen, was ihr Konzept so besonders macht. „Weil wir mit mehreren Partnern zusammenarbeiten, können wir eine viel größere Vielfalt anbieten als andere Hofläden“, erzählt Ingwer und zeigt auf die gut gefüllten Regale an den Wänden. Viel Wert legen die Unternehmensgründer auf besonders hochwertige Ware. „Wir kennen jeden unserer Partner-Landwirte und deren Betriebe persönlich und vergewissern uns von der Qualität der Produkte. Ob Bioerzeugnis oder nicht, spielt dabei eine untergeordnete Rolle“, erklärt Rinderhalter Christoph die Philosophie der Gründer.


Wenn er vor Ort ist, berät Junglandwirt Heinrich Kruse die Kunden auch selbst und bietet ihnen Kostproben vom Fleisch seiner Schweine an.

Wenn er vor Ort ist, berät Junglandwirt Heinrich Kruse die Kunden auch selbst und bietet ihnen Kostproben vom Fleisch seiner Schweine an.


Öffentlichkeitsarbeit


Preislich halten die „Hoftalente“ ein gutes Wochenmarktniveau, haben jedoch gegenüber Wochen- und Supermärkten einige Vorteile. Sieben Tage die Woche haben sie geöffnet. Am höchsten frequentiert ist der Sonntag. Mit zwei festen Mitarbeitern und mehreren Aushilfen, zum größten Teil Studentinnen der Tierärztlichen Hochschule Hannover, ist der Laden gut aufgestellt.
Besondere Aktionen, wie Weinproben und Käseverköstigungen helfen den „Hoftalenten“, mit zukünftigen Kunden ins Gespräch zu kommen, etwas über ihre Höfe zu erzählen und so fast nebenbei Imagepflege für die Landwirtschaft zu betreiben.
Auch wenn ihr Hofladen noch nicht die großen Gewinne abwirft, bereuen die „Hoftalente“ ihre Existenzgründung nicht. Denn sie wissen: „Dieses Projekt bringt uns persönlich und unternehmerisch weiter. Die Erfahrungen, die wir hier in unserem Hofladen sammeln, bleiben für immer.“