Landstern – Nominiert in der Kategorie „Stark für die Landwirtschaft“

Einer für alle und alle für eine Region



Kleine Dörfer am Leben zu halten ist eine Herausforderung. Die Mitglieder der WEP AG aus dem Landkreis Peine sind nominiert in der Kategorie „Stark für das Dorf“, weil sie mit ihrem Engagement genau das versuchen.

Als Ansprechpartner der WEP AG engagieren sie sich für ihre Heimat: Jens Wrede, Rolf Kobbe, Jens Reupke und Silke Freund (v.l.).

Als Ansprechpartner der WEP AG engagieren sie sich für ihre Heimat: Jens Wrede, Rolf Kobbe, Jens Reupke und Silke Freund (v.l.).

Es ist Sonntag und auf der Baustelle des Landjugendheims in Wehnsen im Landkreis Peine geht es hoch her. Mit Hammer und Nägeln bewaffnet streift Jens Reupke durch die renovierten Räume und kontrolliert die Fußleisten. Nur noch Kleinigkeiten sind zu erledigen. Zwei Frauen aus dem Dorf wischen bereits den neuen Fußboden in Holzdielenoptik und draußen sorgen ihre Männer dafür, dass die letzten Reste des angefallenen Bauschutts im bereitgestellten Container landen.

Das Landjugendheim ist eines der Projekte, die die Bürger des kleinen Dorfes angeschoben haben. Viele von ihnen sind organisiert in der Arbeitsgemeinschaft WEP AG. WEP, die Abkürzung steht für die Ortschaften Wehnsen, Eickenrode und Plockhorst. Was sie gemeinsam haben? Alle drei gehören zur Gemeinde Edemissen im Landkreis Peine. Zu einer Region, die zwischen Celle, Gifhorn, Braunschweig und Hannover liegt, an die Südheide anschließt und an der Geld und Investitionen für die Infrastruktur allzu oft vorbeigehen.



Enger Zusammenhalt


Projekte wie der Wiederaufbau des Landjugendheims nach einem Brand, der Neubau der Sporthalle im benachbarten Plockhorst und die Renovierung des traditionellen Festsaals in Eickenrode wurden von den Bürgern der drei Orte in Eigenleistung in die Tat umgesetzt. „Von der Politik heißt es immer, das Geld würde für etwas anderes gebraucht“, beklagt Jens Reupke, Ortsratsmitglied im 510- Einwohner-Dorf Wehnsen.
„Einer für alle und alle für eine Region“, könnte das Motto der engagierten Dorfbewohner heißen. Denn sie kämpfen nicht nur für die Belange in ihren drei Dörfern, sondern auch der benachbarten Gemeinden. In der Arbeitsgruppe „Versorgung und Verkehr“ brüten sie über Fahrplänen für den regionalen Zugverkehr, Pendelverbindungen per Bus und einen dringend benötigten Fahrradweg von Dorf zu Dorf. „Wir haben hier eine Menge Pendler, die beruflich nach Hannover oder nach Wolfsburg müssen. Sie nehmen entweder den Zug in Meinersen oder in Dedenhausen, aber der Fahrpreis unterscheidet sich enorm“, weiß Reupke, der auch Koordinator der Arbeitsgruppe ist. Ihn ärgern die unterschiedlichen Fahrpreise, weil viele Pendler deshalb den acht Kilometer langen Weg bis zum anderen Bahnhof mit dem Auto fahren, anstatt den nächstgelegenen Bahnhof zu nutzen. „Der Verkehr im Ort ist morgens und abends irre und die Parkplätze am Bahnhof sind auch überfüllt“, sagt Reupke.
Damit auch die Politik Notiz von den Wünschen der Dorfbewohner nimmt, haben sie im September erstmalig eine Fahrraddemo organisiert, mit der sie den Bau eines Radweges und die Veränderungen im Bahnverkehr bewirken wollten.
„All unsere Pläne sind allerdings für die Zukunft nur relevant, wenn sich etwas Entscheidendes ändert“, gibt Silke Freund, Sprecherin der Arbeitsgemeinschaft, zu bedenken: „Wir brauchen unbedingt Bauplätze für junge Familien, die sich in ihrem Heimatdorf etwas eigenes aufbauen möchten.“


Für einen Fahrradweg setzt sich Jens Reupke als „Koordinator für Versorgung und Verkehr“ ein.

Für einen Fahrradweg setzt sich Jens Reupke als „Koordinator für Versorgung und Verkehr“ ein.


Neues Baugebiet nötig


Die drei Dörfer teilen sich Kindergarten, Grundschule und Sportzentrum in Plockhorst. Die Gruppen- und Klassengrößen sind übersichtlich, Kinder können individuell gefördert werden. Auch das ist ein Grund, warum junge Paare sich gerne in einer der Ortschaften niederlassen würden. „Können sie aber nicht, weil es keine Bauplätze gibt und nur wenige zum Verkauf stehende Häuser. Unsere Kinder müssen von hier wegziehen, obwohl sie das gar nicht wollen“, berichtet Silke Freund.

Das Dorf Eickenrode ist mit seinen 360 Einwohnern zwar das kleinste, aber ein Drittel der Kinder aus Kindergarten und Grundschule kommt von dort. Gemeinsam mit Eigentümern und Ortsbürgermeistern besprechen sich die Mitglieder der Arbeitsgruppe Dorfentwicklung über die Möglichkeiten, die es in den Ortschaften gibt, um der Überalterung in den Dörfern vorzubeugen.
„Im Moment machen wir uns Hoffnungen auf ein kleines Neubaugebiet in Eickenrode, weil es gerade da auch am nötigsten ist“, berichtet Jens Wrede, Ortsbeauftragter aus Eickenrode mit einem vorsichtigen Lächeln.
Um jungen Familien einen Überblick über die Möglichkeiten und das bunte Vereinsleben in den Dörfern zu geben, gab es im Mai 2017 das erste Mal eine große Freizeitmesse. Organisiert von der Arbeitsgruppe Dorfvernetzung war auch hier wieder die WEP AG die treibende Kraft und mit der gesamten Organisation betraut. „Für unsere Dörfer war die Freizeitmesse ein Highlight, denn rund 30 Gruppen, Initiativen und Vereine haben sich vorgestellt und zum Mitmachen eingeladen“, resümiert Rolf Kobbe, Ortsbürgermeister von Plockhorst, zufrieden. Ihre nächsten Schritte hat die Arbeitsgemeinschaft schon geplant. „Wir wollen aus unserer Initiative einen Verein machen, mit allem, was dazu gehört und weitere Projekte in Angriff nehmen“, erzählt Silke Freund von den Zukunftsplänen, bei denen auch Seniorenveranstaltungen und das Ortsmarketing eine Rolle spielen. Als allererstes steht jedoch am Wochenende das traditionelle Kartoffelfest im Ortskern von Wehnsen an, dem nicht nur die WEP-Mitglieder entgegenfiebern.

Friederike Husmann