Landstern – Nominiert in der Kategorie „Mein Verein“

Grüne Oase mitten im Ort



Ein maroder Schandfleck war das Freibad in Neuenkirchen-Vörden im Kreis Vechta, bevor sich der Verein „Naturbad Vörden e.V.“ gründete. Seit 2004 tummeln sich im neuen Bad begeisterte Badegäste. Der Verein plant dort jetzt ein weiteres Großprojekt.

Wasserspaß: Für Abkühlung und gute Laune sorgt ein Besuch im neuen Naturbad.

Wasserspaß: Für Abkühlung und gute Laune sorgt ein Besuch im neuen Naturbad.

Es ist ruhig im Naturbad Vörden. Die Strohschirme sind abgedeckt, die Liegewiesen verlassen. Nur hin und wieder verirrt sich ein Vorstandsmitglied auf das Gelände, um nach dem Rechten zu sehen, den Holzsteg zwischen den Becken entlang zu wandern oder den Mitarbeitern bei Wartungsarbeiten einen Besuch abzustatten. Im Sommer dagegen herrscht Hochbetrieb. Das Limit wurde mit 3.000 Besuchern im Rekordsommer 2006 erreicht.

Das Naturbad Vörden ist einzigartig - dank der Bewohner der Gemeinde Neuenkirchen-Vörden. „Das Loch schieben wir zu“, war vor 16 Jahren die Meinung des damaligen Bürgermeisters, wenn es um das alte, sanierungsbedürftige Freibad ging. Die Kosten für Reparaturen und gewerbliche Auflagen waren zu hoch. Entsetzt über das drohende Aus schmiedeten die Bürger einen Plan, um ihr Freibad zu retten. Einzige Bedingung des Gemeinderates: Ein neues Freibad solle unter der Führung eines Vereins stehen. Die Idee für ein Naturbad verkündete der örtliche Garten- und Landschaftsbau-Unternehmer während einer Bürgerversammlung.



300 freiwillige Helfer


„Schon seit dem Jahr 2000 haben wir überlegt, was wir machen können, uns verschiedene Naturbäder angesehen und 2003 unseren Verein gegründet“, erinnert sich der erste Vorsitzende Hermann Schütte. Am 1. April 2003 begannen die Bauarbeiten, die von den Vereinsmitgliedern in mehr als 8.000 Arbeitsstunden in Eigenleistung gestemmt wurden. „Bis auf die Projektplanung und die Folie haben wir alles selbst gemacht“, berichtet Schütte voller Stolz auf die damals gut 300 Helfer, die ihre Feierabende und Wochenenden mit der Arbeit auf dem Gelände verbracht haben. Mittlerweile zählt der Verein rund 2.000 Mitglieder, die das Bad dank biometrischer Erfassung per Fingerabdruck betreten können. „Bei so vielen Mitgliedern kommt viel Know-how zusammen“, sagt Schütte, der froh ist, dass sogar ein großer Teil der Wartungsarbeiten von den Freiwilligen übernommen wird. Die vielen Extras machen das Naturbad attraktiv für Besucher. Weitläufige Rasenflächen locken Sonnenanbeter an, große Sonnensegel spenden Schatten. Für Kleinkinder gibt es einen Spielbereich mit Sand, Bach und Kleinrutsche. Bei den Älteren steht der Felsen für den Sprung aus einem und aus drei Metern Höhe hoch im Kurs. In den nächsten Jahren will der Verein das Naturbad noch reizvoller machen. 2019 soll eine Kneipp-Anlage in Betrieb genommen werden, für deren Bau wieder viele Helfer gebraucht werden. Auf lange Sicht ist eine barrierefreie Großrutsche in Planung. „Wir befassen uns gerade mit der Ausarbeitung der Finanzierung“, berichtet Schütte.


Halten ihr Freibad in Schuss: Die Mitglieder des Vereins „Naturbad Vörden e. V.“ und der erste Vorsitzende Hermann Schütte (vorne) kümmern sich auch außerhalb der Saison um das Gelände.

Halten ihr Freibad in Schuss: Die Mitglieder des Vereins „Naturbad Vörden e. V.“ und der erste Vorsitzende Hermann Schütte (vorne) kümmern sich auch außerhalb der Saison um das Gelände.


Reinigung ohne Chlor


Die Mitstreiter der Trägergemeinschaft haben eine Oase geschaffen, die „Erholung bieten soll für diejenigen, die nicht in den Urlaub fahren“. Das Naturbad sei im Laufe der Jahre zum Treffpunkt für Freizeit und Gesundheit geworden und bereichere die Lebensqualität der Gemeindemitglieder. Dank Volleyballfeld, Kicker, Großschachfeld und Tischtennisplatten kommt auch abseits des Wassers keine Langeweile auf. Finanziert wird das Naturbad nicht nur durch Eintrittsgelder und Mitgliedsbeiträge. „Ein besonderer Dank gilt den Unternehmern aus unserem Ort, die sich mit großen Summen beteiligen“, so Hermann Schütte. Die Gemeinde übernimmt mit jährlich 50.000 Euro ebenfalls einen Teil der Kosten.

Die Besucher des Naturbads stammen laut Vorstand nicht nur aus der eigenen, rund 8.500 Einwohner großen Gemeinde. „Unsere Gäste kommen aus der Umgebung mit einem Radius von etwa 50 Kilometern, viele aus dem angrenzenden Landkreis Osnabrück“, weiß der ebenfalls als Gemeinderatsmitglied tätige Vereinsvorsitzende Hermann Schütte. Gemeinsam mit Thomas Klarmann und Ulrich Stahl bildet er das Führungsteam des siebenköpfigen Vereinsvorstandes.
Das Thema „Wasserwirtschaft“ war für alle neu, aber während der Entwicklung des Projektes durch ein Ingenieurbüro haben sie sich gut eingearbeitet. Das Konzept stützt sich auf die Verwendung natürlicher Materialien. Einige Beckenwände wurden abgerissen und bekieste Flachwasserbereiche geschaffen. Eine Schwimmbahn auf 50 Metern Länge ist erhalten geblieben, die tiefste Stelle misst 3,80 Meter. Teile des vorhandenen Beckenkörpers wurden mit Holzstegen überbaut und in das Naturbad integriert, ebenso zwei Nichtschwimmerbereiche. Weil das Wasser des Naturbads nicht mit Chlor versetzt ist, mussten Alternativen her. „Dorfteich und grüne Lunge der Gemeinde“, nennt Hermann Schütte liebevoll das benachbarte Regenerationsbecken, in dem das Schwimmwasser bis auf Trinkwasserqualität gereinigt wird. Vorher wird es durch das Filtersubstrat in Form einer Kiesschicht gepumpt. „Die biologische Selbstreinigung des Wassers funktioniert im Wesentlichen durch Mikroorganismen, Sumpf- und Wasserpflanzen“, erklärt er. Dass die Wasserqualität sehr gut ist, wurde dem Verein von der Deutschen Gesellschaft für naturnahe Badegewässer mit einer Zertifizierung bestätigt. „Und es gibt keine roten Augen durch Chlor“, freut sich Schütte.
Die durchweg positiven Rückmeldungen der Gäste bestärken den Verein in seiner Arbeit. Schwimm- und Tauchkurse werden regelmäßig angeboten und auch für andere Veranstaltungen ist der Verein offen. Es bleibt die Hoffnung auf einen schönen Sommer 2018.

Friederike Husmann