Landstern – Nominiert in der Kategorie „Stark für das Dorf“

Lesen lernen leicht gemacht



Als Lesementorin unterstützt Klara Rosenbusch ihren Schützling Julian einmal pro Woche vor seinem Unterricht in der Grundschule.

Als Lesementorin unterstützt Klara Rosenbusch ihren Schützling Julian einmal pro Woche vor seinem Unterricht in der Grundschule.

Julian grinst fröhlich, nachdem er den letzten Satz des vierten Kapitels beendet hat. Erwartungsvoll sieht er die aufmerksam lauschende Frau neben sich an. Seine Sitznachbarin ist Klara Rosenbusch, die zufrieden nickt und ihm ein wohlwollendes Lächeln schenkt. Sie freut sich, dass der Drittklässler große Fortschritte macht. Seit sechs Jahren engagiert sich Klara Rosenbusch aus Glandorf im Landkreis Osnabrück ehrenamtlich als Lesepatin für Grundschüler. Für diesen Einsatz wurde sie als LANDStern-Kandidatin in der Kategroie „Stark für das Dorf“ nominiert.



Spannendes Lernen


Von Anfang an ist sie als Lesementorin dabei und konnte schon vielen Kindern helfen. Damals hat sie nach 16 Jahren als Landfrauen-Vorsitzende des Osnabrücker Kreisvorstandes ihr Amt niedergelegt und sich sofort gemeldet, als in der Gemeinde Lesehelfer gesucht wurden. „Kinder, die in dem Bereich Schwächen haben, werden von ihren Lehrern vorgeschlagen. Die Warteliste ist lang und weitere Helfer werden immer gebraucht“, weiß sie.
Ihre Bücher dürfen sich die Kinder selbst mitbringen. Gelesen wird, was sie interessiert. „Es gibt leider auch Kinder, die keine Bücher besitzen“, berichtet Klara Rosenbusch traurig. Dann bringt sie Kinderbücher von zuhause mit oder leiht ein Buch in der Schulbibliothek aus. Julian hingegen hat genug Bücher und ist im Moment ganz begeistert von „Gregs Tagebuch - Von Idioten umzingelt“.
Während er liest, schaut seine Lesementorin ganz genau hin und wartet geduldig, wenn er Wörter wiederholen muss, die ihm noch nicht so leicht über die Lippen kommen. Nach dem Buch ist die Geschichte aus der aktuellen Kinderzeitung dran und Julian löst eifrig die Fragen zum Text.
Seine Eltern sind dankbar für die Zeit, die Klara Rosenbusch mit ihrem Sohn verbringt und in der sie sich ausschließlich um ihn kümmert. Aber auch für die sechsfache Großmutter sind die Stunden mit den Kindern aus der Grundschule Glandorf eine Bereicherung. „Wenn ich den Kindern mit ihren Eltern dann irgendwo im Ort begegne, kommen sie gleich angelaufen und begrüßen mich. Dass sie mich auch nach der Zeit in der Grundschule noch erkennen, gibt mir ein gutes Gefühl“, freut sich die ehemalige Hauswirtschaftslehrerin.
Sie bekommt aber auch den Druck mit, unter dem manche Schüler stehen. Vor allem vor den Zeugnissen weinen einige sich bei ihr aus, wenn sie Angst haben, die Erwartungen nicht erfüllen zu können. Sie ist dann für die Kinder da, versucht sie aufzumuntern und lenkt sie mit einer schönen Geschichte ab. „Bei Mädchen ist das ganz einfach“, gibt sie lachend zu. Da brauche es nur ein Buch über Pferde.


Gemütlich schmökern können die Kinder in der Leseecke der gut ausgestatteten Bibliothek ihrer Grundschule in Glandorf.

Gemütlich schmökern können die Kinder in der Leseecke der gut ausgestatteten Bibliothek ihrer Grundschule in Glandorf.


Viel Geduld gefragt


Nicht alle Kinder arbeiten so bereitwillig mit wie Julian. Häufig ist die Leseschwäche an eine Konzentrationsschwäche geknüpft. Bei manchen sei auch von vornherein Ablehnung zu spüren, sagt Klara Rosenbusch. „Bisher konnte ich aber mit ein bisschen Geduld noch jedes Kind zum Lesen bewegen“, erzählt sie und zuckt mit den Schultern. Weil sie möchte, dass ihre Schüler auch nach der Zeit in der Grundschule weiter lesen, bekommt jedes ihrer „Lesekinder“ zur Erstkommunion oder nach Ende der Leseförderung ein Buch von ihr geschenkt, das seinen Interessen entspricht.

Zweifelsohne kommt bei Klara Rosenbusch dank ihrer Kinder, Enkel und Schüler auf Zeit so schnell keine Langeweile auf. Dennoch reicht ihr ein Ehrenamt nicht. Als Vorstandsmitglied ist sie in der Kreisarbeitsgemeinschaft der Ländlichen Erwachsenenbildung (LEB) aktiv und seit mehr als zehn Jahren ehrenamtliche Richterin am Landwirtschaftsgericht. Bei den kirchlichen Gemeindediensten übernimmt sie häufig den Lektorendienst und ist als Kommunionshelferin eingespannt. Alten und kranken Menschen aus der Gemeinde bringt sie die Hauskommunion. Für die 67-Jährige ist klar: „Jeder sollte seinen Beitrag für den guten Zweck leisten und für mich gehört das Ehrenamt zum Leben dazu.“

Friederike Husmann