Landstern – Nominiert in der Kategorie „Stark für die Landwirtschaft“

Zukunft mit Durchblick



Der junge Betriebsleiter Christian Schlütke hat Bäume zwischen den Liegeboxenreihen seines neuen Kuhstalls gepflanzt.

Der junge Betriebsleiter Christian Schlütke hat Bäume zwischen den Liegeboxenreihen seines neuen Kuhstalls gepflanzt.

Es ist ein ganz normaler Tag im Boxenlaufstall. Friedlich wiederkäuende Schwarzbunte ruhen in den dick eingestreuten Liegeboxen, andere stehen geduldig an, um sich Erleichterung am Melkroboter zu verschaffen. Die Massagebürste direkt neben dem großen Eingangstor zum Stall wird ununterbrochen genutzt. Auf den ersten Blick ein neuer Stall wie jeder andere auch. Die Besonderheiten fallen erst bei näherem Hinsehen auf. Taghell und trotzdem kühl ist es in dem Stall, der an den langen Seiten komplett offen ist. Und es wachsen Bäume zwischen den Reihen mit Liegeboxen. Warum, erklärt Juniorchef Christian Schlütke, während er nach oben zeigt. „Die eine Hälfte des Dachs ist komplett lichtdurchlässig. Um das zu demonstrieren, haben wir Bäume gepflanzt.“ Die großen Lichtplatten, die Schlütke meint, sind gespickt mit winzigen Aluminiumteilchen, die das Sonnenlicht von draußen reflektieren. Diese sogenannten „Lightroof“-Platten hat er bei einer Exkursion in Belgien entdeckt. Ist zusätzliche Beleuchtung nötig, kommen die im Stall montierten LED-Lampen zum Einsatz, die sich in ihrer Stärke automatisch der Helligkeit im Stall anpassen.



Mehrere Standbeine


Die im Stall gepflanzten Bäume, darunter Kirschlorbeer, Steineiche und Mispel, haben allerdings laut Schlütke keinen bestimmten Nutzen. „Die sehen gut aus und helfen mir bei der Öffentlichkeitsarbeit“, erklärt der 31-Jährige, der häufig Besuchergruppen über seinen Betrieb führt. Anderen Menschen die Landwirtschaft näher zu bringen hält der Agraringenieur für wichtig, denn das „wurde in den vergangenen Jahrzehnten einfach verpasst“, meint er. Bei einigen Gästen kommen die Bäume so gut an, dass sie Patenschaften übernehmen wollten. „Die Mispel hat einer unserer Nachbarn gekauft. Er ist begeistert von dem, was wir machen“, erzählt er stolz. Fertiggestellt wurde der Stall, in dem zurzeit 173 Kühe mithilfe von drei Robotern gemolken werden, vor zwei Jahren. Für die etwa 2,50 Meter hohen Bäume hat Christian Schlütke damals schon Maurerkübel eingesetzt und zu jedem Baum Beregnungsleitungen legen lassen. Schlütke bewirtschaftet den Betrieb gemeinsam mit seinem Vater Benno, einem festen Mitarbeiter, einem Auszubildenden, einem Praktikanten und vier Aushilfen. Neben den Kühen mit Nachzucht hält er noch 1.850 Mastschweine und unterhält eine Biogasanlage. Die Anlage auf dem eigenen Hof wurde von 250 auf 525 kW Leistung umgebaut. Ein weiteres Blockheizkraftwerk mit 265 kW betreibt er auf dem Betrieb seines Nachbarn. Beim Neubau des Kuhstalls haben Vater und Sohn auf den Bau eines Güllekellers verzichtet, stattdessen wird die Gülle direkt von der Auffanggrube in den Fermenter der Biogasanlage gepumpt.


Taghell und kühl ist es im Boxenlaufstall der Familie Schlütke dank der Lichtplatten mit eingearbeiteten Aluminiumpartikeln.

Taghell und kühl ist es im Boxenlaufstall der Familie Schlütke dank der Lichtplatten mit eingearbeiteten Aluminiumpartikeln.


Leuchtend gelbe Felder


Die durch die Anlage entstehende Wärme wird für die eigenen Betriebsabläufe genutzt. Für das Gas bauten Schlütkes einen neuen Gasspeicher, um flexibel zu sein. „Wenn wir erneuerbare Energien nutzen, dann sollten wir es auch effektiv tun“, bemerkt Christian Schlütke mit Blick auf die Anlage. Den Mais bezieht er zum Teil von den eigenen Flächen, kauft aber auch viel dazu. „Dass wir in dieser Region nicht zusätzlich Druck auf den Pachtmarkt ausüben, war ein entscheidendes Kriterium dafür, dass unsere Berufskollegen nichts gegen den Bau der Anlage hatten“, erzählt er rückblickend.

Kurz vor der Einfahrt zum Hof führt die Straße vorbei an sonnengelben Feldern. Was von weitem aussieht wie Sonnenblumen, „ist ein Experiment“, sagt Schlütke. Auf etwa 1,2 Hektar baut er die „Durchwachsene Silphie“ an. Die mehrjährige Staude blüht ab Juli und kann im September mit dem Häcksler geerntet und als Energielieferant für die Biogasanlage verwendet werden. „Mehr als zehn Jahre soll sie immer wieder nachwachsen und sieht dabei auch noch schön aus“, schwärmt Christian Schlütke. Ein örtlicher Imker nutzt den Feldrand als Standort für seine Bienenvölker. Ob er den Anbau der Silphie in Zukunft erweitert, weiß Schlütke noch nicht, hat sich aber ansonsten viel vorgenommen. „Im Bereich der erneuerbaren Energien sehe ich großes Potenzial und Verbesserungsmöglichkeiten. Was wir selbst umsetzen können, müssen wir mal sehen“, fügt er lächelnd hinzu und zuckt mit den Schultern. Während sein Vater eine Menge Erfahrung bei der Betriebsführung mit einbringe, beschreibt Christian Schlütke sich selbst als Unternehmergeist, mutig und zuversichtlich. „Ich glaube, deshalb sind wir ein super Team“, erklärt er mit voller Überzeugung.


Friederike Husmann