Landstern – Nominiert in der Kategorie „Mein Verein“

Das schmackhafte Erbe bewahren



Haben ein Herz für alte Obstsorten: Cornelia Bretz, André Dierßen und Julia Gerdsen sind drei der vier Mitarbeiter von Konau 11 (v.l.).

Haben ein Herz für alte Obstsorten: Cornelia Bretz, André Dierßen und Julia Gerdsen sind drei der vier Mitarbeiter von Konau 11 (v.l.).

Bei einem Obstbau-Erntetag im Amt Neuhaus entstand 2010 die Idee: „Sich um diese Bäume kümmern zu dürfen, das wäre was“, dachten sich Julia Gerdsen und Cornelia Bretz. Und seit vier Jahren machen die beiden Frauen, die an der Leuphana-Universität in Lüneburg Kultur- beziehungsweise Umweltwissenschaften studiert haben, genau das: Für den Verein Konau 11 Natur setzen sie sich zusammen mit Baumpfleger Dieter Schröder und Obstgehölzpfleger André Dierßen für den Erhalt von rund 13.000 Obstbäumen ein. Ihre Schützlinge stehen an etwa 60 Kilometern öffentlichen Straßen und Wegen sowie auf etlichen Hektar Streuobstwiesen auf der rechtselbischen Seite des Landkreises Lüneburg – im Amt Neuhaus.
„Wir wollen einen Beitrag zur biologischen Vielfalt und dem Erhalt der alten Sorten leisten“, fasst Julia Gerdsen die Ziele des Vereins zusammen. Die Obstbaumalleen sind landschaftsprägend für das Amt Neuhaus. Viele der Obstsorten – zum größten Teil Äpfel – sind zudem selten gewordene, alte Sorten. Manche kommen sogar nur in dieser Region vor. Seine Aufgaben sieht der Verein sowohl in der Pflege der vorhandenen Bäume als auch in Neuanpflanzungen, der Ernte und Vermehrung, der Sortenerfassung und ihrem Erhalt sowie in der Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit.


Gegründet wurde der Verein auf Initiative der Sparkassenstiftung Lüneburg, die aus ihrem Fonds für Nachhaltigkeit Geld für ein Konzept zum Erhalt der Obstbaumalleen zur Verfügung stellte. Sie ist heute Hauptfinanzier des daraus entstandenen Vereins. Der Verein erwarb auch die Hofstelle in dem Elbmarschdorf Konau und richtete dort seinen Sitz ein. Die vier Mitarbeiter teilen sich zwei Stellen und werden seit September von Kira Stute verstärkt, die ein freiwilliges ökologisches Jahr absolviert.


Ob Birne, Quitte oder Apfel: Die Säfte die der Verein Konau 11 aus dem Obst presst, sind ein guter Werbeträger für den Verein.

Ob Birne, Quitte oder Apfel: Die Säfte die der Verein Konau 11 aus dem Obst presst, sind ein guter Werbeträger für den Verein.

Bei der Baumpflege setzt der Verein auf die Unterstützung von derzeit 25 Baumwarten aus der Bevölkerung, denen in Pflegekursen das dafür nötige Handwerkszeug vermittelt wurde. Obstbaumwarte verpflichten sich, sich um bestimmte Bäume zu kümmern. Im Gegenzug dürfen sie das Obst zur eigenen Verwendung behalten oder es beim Verein gegen Saft tauschen. Entstanden ist das Konzept der Obstwarte aus dem Aufruf „Gemeinsam pflegen, nutzen, erhalten“ an die ortsansässige Bevölkerung, berichtet Julia Gerdsen. „Wir sind auf die Mithilfe der Bevölkerung angewiesen“, erklärt die Vereins-Vorsitzende, denn: „wenn die Bäume erhalten bleiben sollen, muss sich jemand darum kümmern.“

Das Konzept geht auf, die Zahl der Baumwarte wächst ebenso wie das Interesse anderer, die alten Obstbaumsorten zu erhalten. „Unsere Kurse sind begehrt, die Teilnehmer kommen aus dem Kreis Lüneburg, aber auch aus Lüchow-Dannenberg und Mecklenburg-Vorpommern“, sagt Cornelia Bretz.
Die Sortenerfassung und ihr Erhalt sind ein weiterer Arbeitsschwerpunkt von Konau 11 Natur. Bis jetzt haben die Mitarbeiter gemeinsam mit dem Pomologen Jan Bade rund 2.500 Bäume kartiert und dabei etwa 100 Apfel- und 40 Birnensorten erfasst, darunter den Altländer Pfannkuchen, die Ziepenbirne und den roten Brasil.
Auch rund ein Dutzend regionaltypischer Sorten sind dem Pomologen aufgefallen, nicht alle konnten bisher bestimmt werden. Julia Gerdsen und Cornelia Bretz hoffen, dass ihnen dabei die Amt Neuhäuser weiterhelfen können. Von seltenen Sorten werden Reiser genommen und veredelt, um die Sorten zu erhalten.
Der Verein werde in der Region anerkannt, was sicherlich auch daran liege, dass die Mitarbeiter den ganzen Winter in der Baumpflege unterwegs sind und als Ansprechpartner für die Bevölkerung zur Verfügung stehen. Das wird auch in Kooperationen deutlich, die mit der Gemeinde Amt Neuhaus, Bleckede und dem Landkreis Lüneburg bestehen, aber auch mit dem Biosphärenreservat Niedersächsische Elbtalaue und dem Schulhort Neuhaus. Letzterer hat eine Patenschaft für eine Streuobstwiese übernommen. Auch mit der Lebenshilfe Lüneburg und anderen Gruppen hat es schon gemeinsame Aktionen gegeben.
Möglichkeiten zur Begegnung gibt es auch im Hofcafé „Gelber Richard“, das sich auf dem Hof des Vereins befindet. Benannt nach dem Apfel des Jahres 2014, werden in ihm Gerichte und Spezialitäten aus der (Arche)Region angeboten. In den Sommermonaten ist es täglich außer montags geöffnet, in den Wintermonaten nur von donnerstags bis sonntags.

Petra Witte