Landstern – Nominiert in der Kategorie „Stark für die Landwirtschaft“

Kleine Köche, großes Vertrauen



Schokopudding geht immer. Syrischer Grießkuchen auch. Über gemeinsames Kochen schafft unsere LANDStern-Kandidatin Elfriede Habben unter Grundschülern aus verschiedenen Heimatländern Vertrauen und Integration.

Seltener Moment: „Mich ruhig hinsetzten liegt mir nicht so“, sagt Elfriede Habben. Sie ist neben ihrer Arbeit in der Schule noch bei den Landfrauen aktiv, beim örtlichen Schützenverein und Mitglied beim Boßel- und Klootschießberein.

Seltener Moment: „Mich ruhig hinsetzten liegt mir nicht so“, sagt Elfriede Habben. Sie ist neben ihrer Arbeit in der Schule noch bei den Landfrauen aktiv, beim örtlichen Schützenverein und Mitglied beim Boßel- und Klootschießberein.

Wer will die Paprika schneiden? - „Ich, ich!“ Ein halbes Dut zend Finger schnellt in die Höhe. „Und die Gurken?“ „Ich, ich!“ Nein, das sei kein Vorführeffekt, weil heute LAND & Forst dabei ist: „Die Kinder sind immer so motiviert, das ist ganz toll“, sagt Elfriede Habben, die eine besondere Kochstunde ins Leben gerufen hat. Die Mädchen und Jungen der Grundschule Friedeburg am Standort Wiesede stammen aus Ostfriesland, aus Syrien, Afghanistan, Serbien und Polen. Jeden Donnerstag trifft sich die Gruppe beim freiwilligen Nachmittagsangebot der Schule in der kleinen Küche, dann wird gemeinsam geschnippelt, gekocht und gegessen. Das Besondere: Die Gerichte, die Elfriede Habben mit den Kindern zubereitet, stammen aus einem interkulturellen Kochbuch des Kreislandfrauenverbands Wittmund. „Koch mit uns“ heißt das Buch, das auf Deutsch, Arabisch und Englisch hiesige und internationale Rezepte präsentiert. „Damit Flüchtlingsfamilien unser Essen kennenlernen und umgekehrt“, erklärt Habben.


Initiiert hat das Buchprojekt der Kreislandfrauenverband Wittmund im Jahr 2015, als auch in Ostfriesland viele Flüchtlingsfamilien ankamen; alle vierzehn Ortsvereine machten mit. „Ich habe zum Beispiel eine syrische Familie besucht und mir das Rezept für Malfuf Mahshi, Kohlrouladen, erklären lassen“, erzählt Elfriede Habben, die als Betreuungskraft in der Wieseder Schulmensa tätig ist. „Bei der Essensausgabe in der Mensa ist mir dann aufgefallen, dass die Kinder aus den Flüchtlingsfamilien mittags kaum etwas gegessen haben, das hat mich immer ganz traurig gemacht. Aber sie haben sich einfach nicht an das fremde Essen rangewagt. Das Vertrauen war nicht da, dass im Joghurt wirklich keine Gelatine ist und im Auflauf kein Schweinefleisch.“ Die Lösung: Elfriede Habben organisierte einen Kinder-Kochkurs an der Schule – mit deutschen und internationalen Rezepten aus dem Landfrauen-Kochbuch.


Mit viel Eifer und Konzentration sind die Grundschüler beim gemeinsamen Kochen dabei.

Mit viel Eifer und Konzentration sind die Grundschüler beim gemeinsamen Kochen dabei.

Zu Beginn des Projekts, im Sommer 2016, musste sie sich teilweise noch auf Englisch mit den Kindern aus Flüchtlingsfamilien verständigen, heute sprechen alle deutsch – und sind begeistert bei der Sache: „Elfriede, Elfriede, wir brauchen unsere Schürzen!“ Und: „Elfriede, gibt’s heute Pudding?“, wird sie von den Sechs- bis Elfjährigen bestürmt, sobald die Stunde beginnt. Erst wenn alle ruhig am Tisch sitzen, verkündet sie: „Heute machen wir gefülltes Fladenbrot – und Pudding.“ Jubelschreie ertönen – und schon wird Gemüse geschnippelt, der Tisch gedeckt und Milch gerührt. Die Großen helfen den Kleineren, und Elfriede Habben fragt nach, ob auch wirklich jeder die verwendeten Gemüsearten kennt.

Beliebt bei den Kindern sind süße Speisen, so kommen auch der syrische Grießkuchen Basbousa sowie Bratäpfel und Neujahrskuchen gut an. Manchmal zelebriert Elfriede Habben eine Teestunde auf ostfriesische Art und spricht dabei – als Plattdeutschbeauftragte der Grundschule – Platt mit den Mädchen und Jungen. Auf spielerische Weise lernen die Kinder sogar Mathe: „Ich erkläre zum Beispiel, was ein Liter ist, was ein Viertelliter, ein Kilo und ein Pfund“, sagt die 50-Jährige. Die Hauptsache ist jedoch, dass alle sich besser kennen- und verstehen lernen. Nachdem das erste Jahr der Koch-AG aus Mitteln des bundesweiten Projekts „Land(auf)schwung“ gefördert wurde, finanzieren die Grundschule und die Gemeinde Friedeburg seit den Sommerferien 2017 die Kochstunde selbst. „Die ausländischen Kinder haben über den Kurs echtes Vertrauen aufgebaut, und die Eltern merken, dass uns ihre Kinder wichtig sind“, sagt Tanja Janßen, Rektorin der Grundschule in Wiesede. „Frau Habben erklärt ganze Gerichte Schritt für Schritt mitsamt der Zutaten, es wird regional und international aus den Heimatregionen der Kinder gekocht. Wenn sie sagt, das könnt ihr essen, dann wagen die Kinder sich sogar an Grünkohl ran. Diese Akzeptanz ist für uns als Schule sehr wichtig.“ Und die Mädchen und Jungen werden durchs Kochen selbstbewusster: „Ich habe beobachtet, wie die Kinder an der Bushaltestelle von den anderen gefragt wurden, was es denn heute Leckeres gegeben habe, und wie stolz sie auf ihr selbst zubereitetes Essen sind“, so Elfriede Habben. „Das freut mich jedes Mal wieder, denn die Kinder liegen mir einfach am Herzen.“

Antje Wilken