Landstern – Nominiert in der Kategorie „Mein Verein“

Kinder an die Spritze, Wasser marsch!



Satt schießt der Wasserstrahl aus dem Schlauch der Kübelspritze. Die gestellte Aufgabe ist innerhalbe von 15 Sekunden erledigt. „Wasser halt“, brüllt die neunjährige Finja. „Verstanden“, antwortet Beeke von der Kübelspritze und der Wasserstrahl versiegt. Am Boden liegen die „Opfer“: Blechdosen, die in Fenstern eines Miniaturholzhauses aufgestellt waren und von ihren Stellplätzen gespritzt wurden. Es sind Aktionen wie diese, die jeden Freitag bis zu 20 hochmotivierte Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren ins Feuerwehrhaus des 900 Einwohner zählenden Dorfes Settmarshausen bei Rosdorf im Landkreis Göttingen ziehen.

Hauptfeuerwehrfrau Jennifer Wiemann (l. vorne im Bild) erklärt ihren Nachwuchs-Feuerwehrleuten die Kübelspritze.

Hauptfeuerwehrfrau Jennifer Wiemann (l. vorne im Bild) erklärt ihren Nachwuchs-Feuerwehrleuten die Kübelspritze.

„Wir führen die Kinder spielerisch an die Feuerwehrarbeit heran und begeistern sie für unsere Arbeit“, erklärt Jennifer Wiemann. Die 24-jährige Hauptfeuerwehrfrau ist nicht nur Kinderfeuerwehrwartin und ausgebildete Brandschutzerzieherin, sondern auch Rettungsschwimmerin sowie Gruppenführerin und Atemschutzgeräteträgerin in der Feuerwehr Settmarshausen. Kurz gesagt: Sie kennt sich aus mit dem, was sie den Kindern erklärt. Jennifer Wiemann hat ein Faible für die Arbeit mit Kindern, das belegt auch ihre Berufswahl: Sie ist derzeit Referendarin an der Grundschule Drammetal im nahen Dramfeld.



Teamwork ist gefragt


Bei ihrer ehrenamtlichen Arbeit im Dorf ist sie aber nicht auf sich allein gestellt. Cornelia Hildebrand ist Kassenwartin, organisiert aber auch Bastelnachmittage und das Sommerfest, Jennifers Mutter Birgit Wiemann kümmert sich als stellvertretende Kinderfeuerwehrwartin um die Computer- und Öffentlichkeitsarbeit. Neben weiteren Mitstreitern wie Eltern und anderen Feuerwehraktiven stehen auch Joana Hildebrandt (15) und Leon Hartmann (16) bereit: Sie waren selbst Mitglieder der Kinderfeuerwehr und sind mittlerweile in der Jugendfeuerwehr. Sie helfen bei der wöchentlichen Arbeit, bereiten die Kinder aber auch auf den Übertritt in die Jugendfeuerwehr vor. Ein ganzer Stamm Ehrenamtlicher trägt also dazu bei, dass die Kinderfeuerwehr Settmarshausen - übrigens eine von 860 in ganz Niedersachsen - eine der aktivsten im ganzen Landkreis ist. Dadurch hat auch die dortige Jugendfeuerwehr keine Nachwuchssorgen, trotz vieler alternativen Beschäftigungsmöglichkeiten, die Fernsehen, Internet und Co. so bieten.
Doch was zieht die Kinder immer wieder zur Feuerwehr? „Hier passiert was, hier ist was los, hier treffen sie ihre Freunde“, erklärt Jennifer Wiemann. Und: die Kids haben das Gefühl, dass sie dazugehören. Alle sind über die Feuerwehr-Unfall-Kasse versichert und haben auch aus Sicherheitsgründen eine Ausrüstung. Die besteht aus Latzhose, Jacke, Helm und Handschuhen. „Wir sehen damit aus wie richtige Feuerwehrleute“, sagen die Kinder. So ausgestattet geht es auch immer mal wieder ans Feuerwehrauto: Einmal auf dem Fahrersitz eines Feuerwehrautos Platz nehmen - für die Nachwuchs-Feuerwehrleute ist das kein Traum, sondern Realität.
Es gibt viele Aktivitäten: Basteln, Singen, Spielen, Malen, das spielerische Entdecken der vielfältigen Feuerwehrarbeit, und eine 24-Stunden-Aktion. Dabei gibt es natürlich viel Rumgealbere, doch es geht auch manchmal sehr ernst zur Sache. Dann etwa, wenn das Absetzen eines Notrufes geübt wird. Oder wenn die Gefahren angesprochen werden, die beim Entzünden eines Feuers entstehen können.
Dabei werden die Kinder auch aktiv. So auch bei diesem Freitagsdienst: Ein alter, abgeschmückter Tannenbaum steht im Hof am Feuerwehrhaus, die Kinder im gebührenden Abstand daneben. „Was glaubt ihr, wie lange es dauert, bis der Baum in Flammen steht?“, fragt Jennifer Wiemann in die Runde. Während die Kinder noch schätzen, setzt sie den Baum in Brand, innerhalb kurzer Zeit steigen die Flammen in den dunklen Abendhimmel. Staunende Kinderaugen, aus denen Begeisterung wie Respekt gleichermaßen spricht. Jetzt kann die Kübelspritze zeigen, dass sie nicht nur Dosen von der Fensterbank spritzen kann.


Ein Kindertraum wird wahr: Die Nachwuchs-Feuerwehr darf im Einsatzfahrzeug Platz nehmen.

Ein Kindertraum wird wahr: Die Nachwuchs-Feuerwehr darf im Einsatzfahrzeug Platz nehmen.


Grundlage geschaffen


Keiner weiß, wie viele der Kinder später bei den Aktiven der Freiwilligen Feuerwehr Settmarshausen dabei sein werden. Schließlich können die Pubertät, andere Freizeitangebote oder der Wegzug aus dem Dorf dazwischenfunken. „Aber wir haben den Grundstein gelegt, ihre Begeisterung geweckt und sie für die Feuerwehr motiviert“, sagt Jennifer Wiemann.Erst kürzlich wurde im ebenfalls zur Gemeinde Rosdorf gehörenden Ort Lemshausen die Freiwillige Feuerwehr aufgelöst. Die Feuerwehr Settmarshausen aber ist mit derzeit 41 Aktiven eine starke Truppe und das soll noch lange so bleiben - auch durch eine aktive Kinder- und Jugendarbeit.

Christian Mühlhausen