Landstern – Nominiert in der Kategorie „Stark für das Dorf“

Zwei Tore, ein Deich, viel Gemeinschaft



Aus einer guten Nachbarschaft können innige Freundschaften entstehen. Die Kicker des FC Leerort in Leer sind für den LANDStern in der Kategorie „Stark für das Dorf“ nominiert, weil sie diesen Zusammenhalt fördern.

Stolz auf ihr Team: Club-Urgestein Adrian de Buhr, Platzwart Dennis Lenzen und Musikfan Thorsten Tooren (v.l.).

Stolz auf ihr Team: Club-Urgestein Adrian de Buhr, Platzwart Dennis Lenzen und Musikfan Thorsten Tooren (v.l.).

Ein bunt zusammengewürfelter Haufen von Menschen, einige von ihnen in schwarz-weißen Trikots mit dem Logo des FC Leerort auf der Brust, spielen sich auf dem frisch gemähten Rasen den Ball zu. Die grüne Wiese direkt am Emsdeich ist seit zehn Jahren auch offiziell ihr Fußballplatz. Ebenso unterschiedlich wie auf dem Spielfeld sind auch die Menschen, die am Rand Platz genommen haben, entspannt plaudernd und mit einer Flasche Bier in der Hand. Jeder ist willkommen in Leerort, einem Stadtteil von Leer in Ostfriesland, bei der Hobbymannschaft, die vor 20 Jahren entstanden ist und seitdem als lose Gemeinschaft ohne jegliche Vereinsstruktur besteht.



Events neben dem Platz


„Bei uns spielen Frauen und Männer mit, der älteste ist 59 Jahre alt, aber wir haben auch Jugendliche im Alter von 12 Jahren dabei“, erklärt Thorsten Tooren die ungleiche Mannschaftszusammensetzung. Wie selbstverständlich gehören auch Flüchtlinge, Migranten und Menschen mit Behinderungen zum Team und werden als vollwertige Mitspieler akzeptiert. Den Spielern des FC Leerort geht es um Spaß am Sport und den Zusammenhalt. „Wir haben nicht einmal einen Trainer. Wenn jemand mal übertreibt und querschießt, dann weist ihn einer von den anderen vernünftig darauf hin, dass das nicht unsere Art ist zu spielen“, erklärt Thorsten Tooren die Regeln.
Mit ihrem Engagement gestalten die Leerorter Kicker das Zusammenleben in ihrem Stadtteil aktiv mit. Mannschaftsmitglied Thorsten Tooren ist einer der ersten, der sich bereit macht, wenn es um die Organisation von Veranstaltungen geht. Einmal im Jahr öffnet er Garten und Wohnzimmer für ein kleines Musikfestival namens „Musik an d‘ Diek“, das er gemeinsam mit den anderen Kickern und ihren Familien auf die Beine stellt. Drei Bands sorgen für Unterhaltung, die Verpflegung übernimmt der FC. „Die Einnahmen verwenden wir meistens für die Instandhaltung unseres Platzes“, erzählt Thorsten Tooren. Eingeladen werden neben den 30 Mitgliedern des Clubs auch enge Freunde, Familienmitglieder und die Nachbarschaft aus dem Stadtteil Leerort. Als Auszeichnung für sein Musik-Event erhielt der FC Leerort im vergangenen Jahr den „Nachbar-Oskar“ des Netzwerks Nachbarschaft.
Mindestens genauso beliebt wie das Open Air-Konzert ist das Osterfeuer, das ebenfalls jährlich vom harten Kern der Fußballfreunde organisiert wird. Weit über die Stadtgrenzen bekannt wurde der FC Leerort mit seiner Crowdfunding-Aktion zur Anschaffung eines Mähroboters. Die Online-Spendenaktion erregte vor allem dank der kleinen Aufmerksamkeiten Aufsehen, die jeder Spender erhielt. Die kreativen Ideen reichten von einem Beutel Ostfriesentee über ein Mannschaftsfoto bis hin zur Freikarte für „Musik an d‘ Diek“. „Wir waren selbst überrascht, dass das so gut geklappt hat“, gibt Thorsten Tooren lächelnd zu. Über die Unterstützung des neuen Mähroboters habe sich besonders Platzwart und Mitspieler Dennis gefreut, der seit drei Jahren mit dabei ist und in Leerort in einer betreuten Wohngruppe lebt.
Bei den Kickern des FC Leerort wird Inklusion gelebt, einen richtigen Streit gab es noch nie. „Wir spielen zusammen Fußball oder schnacken einfach mal miteinander. Wer welchen Job hat oder besonders viel Geld verdient, spielt bei uns auch keine Rolle. Integration funktioniert hier von allein“, beschreibt Adrian de Buhr, der als gebürtiger Leerorter von Beginn an dabei ist, seine Truppe. Finanziell kommt der Club über die Runden. Am Wochenende, wenn andere Hobbymannschaften zum Spiel eingeladen werden, wirft jeder einen Euro in den Topf. Der Fußballplatz ist Eigentum der Stadt, darf aber genutzt werden, solange der FC Leerort seine Pflege übernimmt.


Treue Fans: Nachbarn, Freunde und Verwandte feuern beim Training an oder treffen sich zum gemütlichen „Schnack“.

Treue Fans: Nachbarn, Freunde und Verwandte feuern beim Training an oder treffen sich zum gemütlichen „Schnack“.


Freudschaft fürs Leben


Die enge Verbundenheit der Leerorter mit ihrem Fußballclub ist auch daran zu erkennen, dass Mitspieler, die in der Ferne studieren, in den Semesterferien am Mittwoch- und Sonntagabend wieder dabei sind. Adrian de Buhr als Mitspieler der ersten Stunde geht noch weiter. In seinem Garten steht als Erinnerung an die Anfangszeit des Clubs ein Teil des früheren Fußballtors, das die Gruppe aus alten Telefonmasten selbst zusammengebaut hat.
Für ihn und seine Teamkollegen ist klar: „Wir haben den besten Fußballclub der Welt.“

Friederike Husmann